Ziel Formel 1 In Spa, in den belgischen Ardennen, am Sonntag, den 17. Juni 1962...
Nach der Saison 1961, in der er mit dem Südafrikaner Tony Maggs den Titel des Europameisters der Formel Junior ex-aequo erlangte, fühlt sich Joseph SIFFERT bereit, den letzten Schritt zu gehen, um zu den regelmässigen Akteure der Formel-1-Grands-Prix zu gehören!
So nahm er am 1. April 1962 und das ist kein Scherz, am Grand Prix von BRÜSSEL in einem Vorort der belgischen Hauptstadt teil. Am Ende der drei (!) Rennläufe belegt er den 5. Platz. Eher positiv für eine erste Temperaturaufnahme. Um dies zu erreichen, verwendete er sein "altes" Chassis aus dem Vorjahr – das eines Lotus Type 22 –, in das er einen Ford-Cosworth 1500 ccm Motor eingebaut hatte.
Einige Tage später ist er am Fusse der Pyrenäen, in den Grand Prix von PAU eingesetzt. Er hat gerade einen neuen Einsitzer erhalten, den Lotus 21 (angetrieben von einem Climax 1500 ccm Motor), den seine Mechaniker Jean-Pierre OBERSON und Michel PILLER fertig montieren müssen, als das erste Qualifying bereits begonnen hat! Trotz dieses Rückschlags bei der Vorbereitung seines Materials vollbrachte Siffert wahre Wunder in den Mäandern der Stadt König Heinrichs IV, und belegte den 7. Rang.
Aber sowohl die Brüsseler als auch die Pau-Veranstaltungen waren Veranstaltungen, die nicht zu der Fahrerweltmeisterschaft zählten. Man muss wissen, dass die besagte Meisterschaft zu diesem Zeitpunkt nur aus acht bis neun Runden bestand aber, dass eine Vielzahl von Treffen ähnlicher Art (wie Brüssel und Pau) organisiert wurden (hauptsächlich in Europa, aber auch in den USA und in... Südafrika), die mit guten „Teilnehmerlisten“ ausgestattet waren.
Monacos Mumplitz
Nach diesen beiden ermutigenden Ergebnissen beschloss Siffert – damals unter den rot-weißen Farben der Ecurie Nationale Suisse, in der Tat der zukünftigen Scuderia Filipinetti aus Genf – sein Glück in MONACO zu versuchen, zweites Rennen der Grand Prix Saison 1962, das für Anfang Juni geplant war. Mit einem Rennwagen, der in reiner Leistung im Vergleich zu denen der meisten seiner Rivalen veraltet war, aber indem er sein aufkeimendes Talent sprechen liess, gelang es ihm, sich zu qualifizieren; die Organisatoren interpretierten dann jedoch auf ihre eigene Weise einen Artikel ihrer eigenen Regeln (indem sie erfahrenere Fahrer „schützten“, die in der Hierarchie weiter oben standen als er) und so wurde Siffert kurzerhand aus der Startaufstellung des Grand Prix hinausgeworfen!
Aber es brauchte noch mehr, um der gute Kerl zu entmutigen: am Sonntag, den 17. Juni 1962 um 15.30 Uhr durfte Joseph Siffert nach verdienstvollem Qualifying (17. von 20 Teilnehmern im Rennen) seinen Rennwagen (ein Lotus-Coventry Climax 21 mit Dunlop-Reifen) in der Startaufstellung eines für die Weltmeisterschaft gültigen Grand Prix aufstellen! Es war auf der beeindruckenden Strecke von SPA-FRANCORCHAMPS anlässlich des belgischen Grand Prix.
Und am Ende eines 451 Kilometer langen Rennen, von den Grenzen seines Autos abhängig gemacht, platzierte sich der Freiburger am 10. Platz, drei Runden nach dem revolutionären Lotus 25 des Siegers Jim Clark. Hätte man damals die heute gültige Tabelle angewandt, hätte er also gleich bei seinem ersten Auftritt auf der höchsten Ebene der Rennmeisterschaft einen Punkt erzielt!
Sechzig Jahre später (bis auf wenige Tage) war es angebracht, noch einmal zu erzählen, unter welchen Bedingungen Joseph Siffert seinen Einstieg in diese Welt mit ihrem so beschränkten und selektiven Zugang vollzog. Insgesamt bestritt er 95 weitere Grands Prix, die zur Fahrerweltmeisterschaft zählten, mit zwei Siegen (England 1968 und Österreich 1971) und vier Podiumsplätzen (USA 1964, Monaco und Holland 1969 und USA 1971), die an die Spitze seiner Erfolgsliste geheftet wurden.